Arbeitszeugnis und kein Ende - Der Streit um das ausgefüllte Adressfeld

Nach einer Entscheidung des Landesarbeitsgerichts Frankfurt, Beschluss vom 21.10.2014, 12 TA 375/14

Der Arbeitgeber und der Arbeitnehmer stritten sich in einem langwährenden Rechtsstreit über die Form des vom Arbeitgeber zu erteilenden Zeugnisses. In einem Vorverfahren hatte sich der Arbeitgeber dazu verpflichtet, dem Kläger ein qualifiziertes Zeugnis zu erstellen. Der Kläger hatte einen entsprechenden Zeugnisentwurf an den Arbeitgeber übergeben.

Diesen Zeugnisentwurf hatte der Arbeitgeber längst nicht umgesetzt, sondern hatte vielmehr in Form eines Anschreibens, mit einem ausgefüllten Adressfeld versehen, ein eigenes Zeugnis gefertigt, welche insbesondere darüber hinaus auch noch mehrere Rechtschreibfehler beinhaltete.

In dem vorliegenden Rechtsstreit begehrte der Arbeitnehmer nun, dass das Zeugnis so zu erstellen ist, dass dort kein Adressfeld aufgeführt ist, weil dies nämlich darauf schließen lasse, dass das Zeugnis erst auf dem postalischen Wege übersandt wurde und zwar nach einem Rechtsstreit.

Darüber hinaus rügte der Arbeitnehmer, dass der Arbeitgeber in dem Zeugnis fünf Rechtschreibfehler eingebaut habe, was auf eine Oberflächlichkeit der Bearbeitung und Erstellung des Zeugnisses und damit eine gewisse Missachtung des Arbeitgebers für den Arbeitnehmer hindeutet.

Das Landesarbeitsgericht gab dem Arbeitnehmer Recht. Es sieht in der Erstellung des Zeugnisses samt eines Adressfeldes den versteckten Hinweis darauf, dass ein vorangegangener Streit erst dazu geführt hat, dass das Zeugnis erstellt wurde. Hierdurch würden die Vorkommenschancen des Arbeitnehmers erheblich beeinträchtigt, was nicht hinzunehmen sei.

Das Gericht stellte auch fest, dass im Zeitalter des mit einer Rechtschreibkontrolle ausgestatteten PCs, es nicht angehen könne, dass in einem Arbeitszeugnis mehrere Rechtschreibfehler auftauchen.

Die entsprechenden Schreibfehler könnten so nämlich nicht mehr wie in früheren Zeiten als Ausdruck einer Rechtschreibschwäche des Arbeitgebers bzw. des Ausstellers gedeutet werden, sondern hier liegt tatsächlich die Vermutung nahe, dass sich der Arbeitgeber vom Inhalt des Zeugnisses durch Einfügen von Fehlern distanzieren will.

Fazit: Wie sooft ist es eine Frage, ob man sich über so etwas streiten will oder aber muss. Im vorliegenden Fall musste der Arbeitnehmer sich darüber streiten, weil tatsächlich die entsprechende äußere Form des Zeugnisses immer noch ein Indiz für den zukünftigen Arbeitgeber ist, ob der vorherige Arbeitgeber tatsächlich mit den Leistungen des Arbeitnehmers zufrieden war.

Insofern ist meistens für den Arbeitgeber völlig überflüssig, sich über ein Zeugnis und dessen Inhalt, so es dann der Zeugniswahrheit entspricht, überhaupt zu streiten. Aus Sicht des Arbeitnehmers ist dies natürlich eine ganz andere Sache, da es den weiteren Arbeitsweg des Arbeitnehmers nachhaltig beeinflussen kann.

Sollten Sie als Arbeitgeber also einmal nicht sicher sein, in welcher Form und mit welchem Inhalt Sie ein Zeugnis erstellen müssen oder sollten Sie als Arbeitnehmer nicht einverstanden oder zufrieden mit der Erstellung eines Zeugnisses sein, dürfen Sie sich gerne an unsere Fachanwälte für Arbeitsrecht,

Herr Rechtsanwalt Tasli, Bergstraße 94, 58095 Hagen
Herrn Rechtsanwalt Schütz, Bergstraße 94, 58095 Hagen
Herrn Rechtsanwalt Pinkvoss, Bergstraße 94, 58095 Hagen
Herrn Rechtsanwalt Freier, Bergstraße 94, 58095 Hagen,

wenden.

Pinkvoss · Dahlmann & Partner PartG mbB
durch

Hans-Christian Freier
Rechtsanwalt
Fachanwalt für Informationstechnologierecht
Fachanwalt für Arbeitsrecht


Telefon-Nr. 02331 9167-17 / -14 (Sekretariat Rechtsanwalt Freier)



Eingestellt am 23.11.2016 von Herr Hans-Christian Freier
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